Blog Chrüterhäx Speranza

Beenden Sie die Sprachlosigkeit zwischen sich und Ihrem Tier!

Blog Chrüterhäx Speranza


Herzlich willkommen – Von der Nostalgie in die Moderne

Schön, dass Du den Weg zu meinem Blog gefunden hast.

Ich gehöre zur Generation der Babyboomer – einer Generation, die noch ohne Computer, Internet und Smartphones aufgewachsen ist und miterleben durfte, wie sich die Welt in wenigen Jahrzehnten grundlegend verändert hat. Von Plumpsklo und Wählscheibentelefon bis hin zu künstlicher Intelligenz und digitaler Vernetzung spannt sich ein Bogen, wie ihn wohl kaum eine Generation zuvor erlebt hat.

 

Doch dieser Blog ist keine Reise nach dem Motto „Früher war alles besser.“ Im Gegenteil. Ich bin überzeugt, dass jede Generation ihre eigenen Stärken, Herausforderungen und wertvollen Erfahrungen mitbringt.

 

Mit „Von der Nostalgie in die Moderne“ möchte ich eine Brücke zwischen den Generationen schlagen. Ich wünsche mir einen Ort, an dem sich Babyboomer, Generation X, Millennials, Generation Z und alle dazwischen willkommen fühlen. Einen Ort, an dem wir einander zuhören, voneinander lernen und gemeinsam nach Lösungen für Mensch und Tier suchen.

 

Wir werden über Themen sprechen, die uns alle betreffen: Gesundheit, Natur, Tiere, künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Alltag, Lebenserfahrung und den Umgang mit den rasanten Veränderungen unserer Zeit. Dabei geht es nicht darum, fertige Antworten zu liefern, sondern Denkanstösse zu geben, Erfahrungen auszutauschen und unterschiedliche Blickwinkel zu verstehen.

 

Vielleicht kennst Du eine Geschichte aus Deiner Kindheit, die heute kaum mehr vorstellbar ist. Vielleicht gehörst Du zur Generation Z und kannst Dir ein Leben ohne Smartphone gar nicht vorstellen. Beide Sichtweisen sind wertvoll. Erst wenn wir miteinander sprechen statt übereinander urteilen, entsteht echtes Verständnis.

 

Ich lade Dich herzlich ein, Deine Gedanken, Erinnerungen, Fragen und Ideen mit mir und den anderen Leserinnen und Lesern zu teilen. Lass uns gemeinsam entdecken, welche Schätze wir aus der Vergangenheit bewahren, welche Chancen die Gegenwart bietet und wie wir die Zukunft mit Offenheit, Respekt und Neugier gestalten können.

 

Denn ich bin überzeugt: Die besten Lösungen entstehen dann, wenn Generationen nicht gegeneinander, sondern miteinander denken.


Ich werde hier gerne ein- bis zweimal pro Woche berichten.


Ich freue mich jetzt schon auf Deine Zuschrift (wird selbstverständlich vertraulich behandelt - Dein Name erscheint nur hier um Blog, wenn Du das ausdrücklich wünschst) auf laebesluscht@gmx.ch oder via Kontaktformular.


Mein Blog enthält KI-generierte Textpassagen und Bilder.




26.08.2026 - Jammern mit Aussicht – 
Vertragen sich eine positive Einstellung und Klagen?

Jetzt jammer nicht so!“ – diesen Satz haben vermutlich viele von uns schon gehört. Und tatsächlich hat Jammern keinen besonders guten Ruf. Wer positiv durchs Leben gehen möchte, soll dankbar sein, sich auf das Gute konzentrieren und Probleme möglichst schnell abhaken.

 

Aber ist das wirklich immer sinnvoll?

 

Ich glaube: Ja, eine positive Einstellung und Jammern können sich durchaus vertragen. Es kommt darauf an, was wir mit unserem Jammern anfangen.

 

Schliesslich sind wir Menschen und keine ständig gut gelaunten Glückskekse. Es gibt Tage, an denen einfach alles schiefgeht. Die Waschmaschine läuft aus, der Rücken zwickt, das Bankkonto schaut traurig drein und dann ruft auch noch jemand genau in dem Moment an, in dem man endlich in Ruhe seinen Kaffee trinken wollte.

Da darf man doch einmal sagen: „So ein Mist!“

 

Jammern kann sogar entlastend sein. Wenn wir Sorgen aussprechen, werden sie manchmal überschaubarer. Ein Problem, das im Kopf riesig erscheint, wirkt nach einem ehrlichen Gespräch plötzlich machbar. Auch ein bisschen gemeinsames Schimpfen kann verbinden. Wer kennt nicht das befreiende Gefühl, wenn jemand sagt: „Das würde mich auch aufregen!“

 

Der Unterschied liegt für mich zwischen Jammern und konstruktivem Jammern.

Beim destruktiven Jammern drehen wir uns im Kreis:

„Immer passiert mir das!“
„Ich kann sowieso nichts ändern!“
 „Bei anderen ist alles viel einfacher!“

Danach fühlen wir uns meistens noch schlechter.

 

Konstruktives Jammern hingegen könnte ungefähr so funktionieren:

1. Aussprechen: Was nervt mich eigentlich wirklich?

2. Benennen: Was liegt mir daran so schwer auf dem Herzen?

3. Zuhören lassen: Wem kann ich das erzählen, ohne dass sofort ein Ratschlag kommt?

4. Sortieren: Was davon kann ich beeinflussen?

5. Handeln: Was wäre ein kleiner Schritt, der etwas verbessert?

 

Vielleicht brauchen wir also nicht weniger Jammern, sondern besseres Jammern.

 

Auch eine positive Lebenseinstellung bedeutet für mich nicht, ständig alles schönzureden. Positiv zu denken heisst nicht: „Es ist alles wunderbar!“ Wenn gerade etwas schwierig ist, darf es schwierig sein.

 

Positiv wird die Haltung dort, wo wir uns zusätzlich fragen: „Und was mache ich jetzt daraus?“

 

Vielleicht ist genau das die ideale Mischung: erst einmal ordentlich Dampf ablassen – und danach gemeinsam überlegen, was zu tun ist.

 

Ich wünsche mir deshalb persönlich eine neue Definition des Jammerns: Jammern darf der Anfang einer Lösung sein – solange wir nicht darin wohnen bleiben und ins negative Nörgeln abdriften.

 

Denn manchmal braucht ein Mensch zuerst ein offenes Ohr, bevor er wieder den Blick nach vorne richten kann.

 

Frage an Dich:

Wann hilft Dir Jammern tatsächlich weiter – und wann zieht es Dich eher noch tiefer hinein?




19.08.2026 - Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

Oder: Warum ich auf diese Frage von meinen Vorfahren nicht dieselbe Antwort erhalten hätte...

Was ist der Sinn meines Lebens?

 

Eine herrlich einfache Frage. Und eine, auf die bisher offenbar niemand eine wirklich einfache Antwort gefunden hat.

 

Seit Jahrtausenden denken kluge Menschen darüber nach, was wir eigentlich auf diesem Planeten sollen. Die Philosophen haben darüber geschrieben, diskutiert, gestritten und vermutlich ziemlich viel Kaffee getrunken. Und erstaunlicherweise sind wir heute trotz Internet, künstlicher Intelligenz und 24-Stunden-Informationsversorgung noch immer nicht schlauer.

 

Vielleicht sogar etwas verwirrter.

 

Schauen wir einmal zurück.

 

Sokrates war der Meinung, dass ein ungeprüftes Leben nicht besonders lebenswert sei. Also sinngemäss: Mensch, denk gefälligst darüber nach, was Du eigentlich machst!

Das gefällt mir.

Allerdings stelle ich mir vor, wie Sokrates heute mit einem Smartphone in der Hand dasitzen würde. Vermutlich würde er nach fünf Minuten fragen:

„Und warum wollt Ihr eigentlich ständig wissen, was andere Menschen gerade essen?“

Eine durchaus berechtigte philosophische Frage.

 

Aristoteles sah das Ziel des Lebens in der Eudaimonia – einem gelungenen, erfüllten Leben. Nicht einfach möglichst viel Spass, sondern ein Leben, in dem man seine Fähigkeiten entwickelt und vernünftig handelt.

Das klingt für mich ziemlich vernünftig.

Nur frage ich mich, ob Aristoteles schon einmal versucht hat, eine Steuererklärung auszufüllen, einen widerspenstigen Drucker zu überreden oder einen Termin bei einer vielbeschäftigten Handwerkerin zu bekommen. Vielleicht hätte er seine Definition von „gelungenem Leben“ danach noch einmal überarbeitet.

 

Dann kommt Epikur.

Und plötzlich wird es sympathisch.

Er meinte nämlich keineswegs, dass man rund um die Uhr Wein trinken, faulenzen und sich den Bauch vollschlagen müsse, wie sein Name heute manchmal verstanden wird. Für ihn lag ein gutes Leben eher in einfachen Freuden, Freundschaft, Ruhe und der Abwesenheit unnötiger Sorgen.

Also: ein gemütliches Essen, nette Menschen, ein Garten, ein gutes Gespräch und möglichst wenig Drama.

Epikur, ich glaube, wir hätten uns verstanden.

 

Die Stoiker wiederum sagten: Konzentriere Dich auf das, was Du beeinflussen kannst, und akzeptiere, was Du nicht ändern kannst.

Auch das klingt erstaunlich modern.

Ich stelle mir allerdings vor, wie ein Stoiker heute versucht, diese Philosophie auf eine WhatsApp-Gruppe mit 47 Nachrichten anzuwenden:

„Ich kann nicht beeinflussen, dass Tante Erika schon wieder ein Katzenvideo geschickt hat. Ich kann nur entscheiden, ob ich es öffne.“

 

Vielleicht hätte die Antike damit bereits das Rezept für digitale Gelassenheit geliefert.

 

Später wurde es philosophisch komplizierter.

Nietzsche forderte den Menschen auf, sein eigenes Leben zu gestalten und nicht einfach nach den Vorstellungen anderer zu leben.

 

Und die Existenzialisten schoben uns die Verantwortung für unser Leben noch deutlicher zu.

Das kann ziemlich befreiend sein.

Aber auch anstrengend.

Denn wenn ich selbst für mein Leben verantwortlich bin, kann ich leider nicht mehr dem Universum die Schuld geben, wenn ich einen völlig idiotischen Entscheid getroffen habe.

 

Und dann komme ich.

Eine Frau aus der Babyboomer-Generation, die noch eine Welt ohne Internet erlebt hat und heute mit künstlicher Intelligenz über den Sinn des Lebens diskutiert.

 

Wenn ich meine Kindheit betrachte, scheint mir die Frage damals irgendwie weniger dringlich gewesen zu sein.

Wir hatten keine Apps, die uns erklärten, wie wir unser Leben optimieren sollten.

Wir hatten keine Podcasts über die „fünf Schritte zum glücklichen Ich“.

Wir hatten einen Wald.

Eine gedruckte Tageszeitung.

Telefonkabinen mit Telefonbüchern aus Papier für jeden Kanton der Schweiz

Physische Freunde.

Gedruckte Bücher.

Familie.

Arbeit.

Ferien.

Und manchmal schlicht Langeweile.

Vielleicht war genau diese Langeweile gar nicht so schlecht.

 

Aber es war auch unglaublich viel anstrengender und zeitraubender, Informationen zusammen zu suchen oder einen Brief mit drei Durchschlägen auf der mechanischen Schreibmaschine zu erstellen und bei einem Fehlgriff auf der Tastatur die falschen Buchstaben auf dem Original samt allen Durchschlägen von Hand mit dem Radiergummi zu korrigieren, ohne dass das dünne Durchschlagpapier riss und ohne dass ein sichtbarer «Schleier» auf dem teuren Briefbogen zurück blieb.

 

Heute können wir unser Leben optimieren, vermessen, vergleichen und dokumentieren, bis wir vor lauter Optimierung vergessen haben, es zu leben.

 

Vielleicht besteht der Sinn des Lebens deshalb gar nicht darin, die eine grosse Antwort zu finden.

Vielleicht liegt er in vielen kleinen Dingen.

In einem Menschen, der uns zum Lachen bringt.

In einem Tier, das uns vertraut.

In einem Kind, dem wir etwas mitgeben können.

In einem Garten, den wir pflegen.

In einer Geschichte, die wir schreiben.

In einem Problem, bei dessen Lösung wir jemandem helfen können.

In einem Gespräch, nach dem beide ein bisschen klüger oder zumindest fröhlicher sind.

Und vielleicht sogar darin, manchmal einfach auf dem Sofa zu sitzen und absolut nichts Sinnvolles zu tun.

 

Was ist also der Sinn meines Lebens?

Ich weiss es nicht.

Aber inzwischen glaube ich, dass das gar keine schlechte Antwort ist.

Vielleicht besteht der Sinn nicht darin, die endgültige Antwort zu kennen.

Vielleicht besteht er darin, immer wieder gute Fragen zu stellen – und währenddessen möglichst viel zu lachen.

 

Und sollte ich eines Tages doch noch die endgültige Antwort finden, verspreche ich Euch:

Ich schreibe einen Blog darüber. 😄

Und jetzt bist Du dran:

Was glaubst Du: Wozu bist Du eigentlich hier?

Für die Karriere?
Für die Familie?
Für die Liebe?
Für Abenteuer?
Für andere Menschen?
 Für Dich selbst?

Oder vielleicht einfach, um herauszufinden, was passiert, wenn man morgens aufsteht und neugierig ist, was dieser verrückte Tag wieder mit einem vorhat.

 

Ich bin gespannt auf Deine Antwort.

 




12.08.2026 - Weniger malochen, mehr leben – und wer bezahlt die Rechnung?

 

Ich gebe es zu: Manchmal habe ich Mühe mit der Haltung jüngerer Menschen, die sagen: Ich möchte nicht mein ganzes Leben arbeiten. Ich möchte Zeit haben, gesund bleiben, reisen, Freunde treffen und mein Leben geniessen.

 

Eigentlich kann ich ihnen das gar nicht übelnehmen.

Denn wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, muss ich zugeben: Ich habe vieles anders gemacht. Arbeiten, durchhalten, Verantwortung übernehmen, weitermachen, auch wenn die Kräfte eigentlich schon nachgelassen haben. Gesundheit? Die kam oft erst an zweiter Stelle.

Heute denke ich manchmal -zumal ich die brutale gesundheitliche Quittung erhalten habe: War das wirklich vernünftig?

 

Vielleicht hat die junge Generation in diesem Punkt sogar etwas verstanden, was wir Babyboomer erst spät gelernt haben: Ein Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Zeit, Gesundheit, Beziehungen, Freiheit und Lebensfreude sind ebenfalls wertvolle Güter.

 

Und trotzdem beginnt genau hier mein Bauchweh.

Denn ein gechilltes Leben funktioniert nur dann dauerhaft, wenn irgendwo die Grundlage dafür geschaffen wurde. Miete, Essen, Krankenkasse, Strom, Infrastruktur und Sozialversicherungen bezahlen sich nicht von selbst. Auch eine gute Ausbildung, ein funktionierendes Gesundheitssystem und soziale Sicherheit sind nicht einfach vom Himmel gefallen.

 

Und ja – vielleicht haben wir Alten tatsächlich einen Teil dieses Bodens bereitet.

Wir haben gearbeitet, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bezahlt, Häuser gebaut, Unternehmen gegründet, Kinder grossgezogen und die Renten unserer Eltern mitfinanziert. Unsere Generation hat vom Fleiss der Generationen vor uns profitiert – und gleichzeitig etwas für die Nachkommenden aufgebaut.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Jungen uns nun für immer etwas schulden.

Aber vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass Freiheit und Eigenverantwortung zusammengehören.

 

Ich finde es wunderbar, wenn ein junger Mensch sagt: Ich möchte nicht meine Gesundheit ruinieren, nur um möglichst viel Geld zu verdienen. Das sollten wir nicht belächeln. Vielleicht ist das sogar eine wichtige Korrektur zu unserem früheren «Immer mehr, immer schneller, immer weiter».

 

Die entscheidende Frage lautet für mich deshalb nicht: Wie viel Arbeit ist das Minimum?

Sondern: Wie viel Verantwortung bin ich bereit zu übernehmen, damit mein gewünschtes Leben nicht zum Problem für andere wird?

 

Wer weniger arbeiten möchte, darf das selbstverständlich anstreben. Dann braucht es aber auch die Bereitschaft, den eigenen Lebensstandard entsprechend anzupassen, Rücklagen zu bilden und nicht automatisch davon auszugehen, dass Eltern, Partner, Staat oder Gesellschaft die fehlende Eigenleistung auffangen.

 

Vielleicht brauchen wir deshalb keinen Generationenkampf, sondern einen neuen Gesellschaftsvertrag.

Die Jungen dürfen uns sagen: Wir wollen nicht so leben wie ihr.

Und wir Alten dürfen antworten: Das müsst ihr auch nicht. Aber überlegt bitte, wie Euer eigener Weg finanziert werden kann.

 

Und wir Babyboomer sollten ebenso bereit sein zuzugeben: Vielleicht haben auch wir manches falsch gemacht. Vielleicht hätten wir früher mehr auf unsere Gesundheit achten und weniger selbstverständlich annehmen sollen, dass Arbeiten bis zur Erschöpfung und Aushalten ach der widrigsten Arbeitsbedingungen ohne Aufzumucken ein Zeichen von Tugend ist.

 

Das wäre für mich echter Generationendialog.

Nicht: Jung gegen Alt.

Sondern: Was können wir voneinander lernen?

 

Die Jungen können uns zeigen, dass Lebensqualität wichtiger sein darf als permanenter Leistungsdruck. Wir Älteren können vielleicht weitergeben, dass Freiheit ohne Eigenverantwortung irgendwann an ihre Grenzen kommt.

 

Und vielleicht finden wir genau dazwischen einen neuen Weg: arbeiten, ohne sich kaputtzumachen; leben, ohne auf Kosten anderer zu leben; sparen, ohne das Leben zu vergessen; und füreinander da sein, ohne einander abhängig zu machen.

 

Das wäre doch eigentlich eine Zukunft, die beiden Generationen gefallen könnte.

 

Und nun interessiert mich Deine Meinung:

Ist es vernünftig, möglichst wenig zu arbeiten und möglichst viel Lebensqualität zu gewinnen?

Oder gehört zu einem selbstbestimmten Leben auch die Bereitschaft, seinen eigenen Lebensunterhalt möglichst weitgehend selbst zu tragen?

 

Vielleicht ist die Antwort – wie so oft – irgendwo zwischen den Generationen zu finden.




05.08.2026 - Wenn Generationen einander wirklich zuhören – Wie Verständnis statt Vorurteile entsteht

 

Hast Du schon einmal erlebt, dass Du nach einem Gespräch dachtest: «Die versteht mich einfach nicht.» Dieses Gefühl kennen junge und ältere Menschen gleichermassen. Dabei möchten die meisten von uns eigentlich dasselbe: verstanden, ernst genommen und respektiert werden.

 

Dennoch scheint zwischen den Generationen manchmal eine unsichtbare Mauer zu stehen. Die einen halten die Jugend für ungeduldig, ständig am Handy und wenig belastbar. Die anderen empfinden Seniorinnen und Senioren als umständlich und belehrend, wenig offen für Neues oder als Menschen, die sich zu oft auf «früher» berufen.

 

Aber was wäre, wenn beide Seiten nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit sehen?

 

Ich bin überzeugt, dass Verständnis dort beginnt, wo wir aufhören, Menschen nach ihrem Alter zu beurteilen. Kein Mensch ist «typisch Generation Z» und keine Seniorin ist «typisch Babyboomer». Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Erfahrungen, Hoffnungen und Enttäuschungen mit.

 

Meine Generation wuchs in einer Welt auf, in der vieles langsamer geschah. Informationen musste man suchen, nicht filtern. Beziehungen entstanden meist im direkten Kontakt. Reparieren war selbstverständlich und Geduld gehörte zum Alltag.

 

Die junge Generation wächst in einer Welt auf, in der Wissen jederzeit verfügbar ist. Sie bewegt sich selbstverständlich in digitalen Räumen, steht aber gleichzeitig unter einem enormen Informations- und Leistungsdruck. Veränderungen geschehen in wenigen Monaten statt in Jahrzehnten.

 

Beide Welten sind unterschiedlich – aber keine ist besser als die andere.

 

Vielleicht liegt gerade darin der Schlüssel. Statt zu fragen: «Wer hat recht?» könnten wir fragen: «Was kann ich von Dir lernen?»

 

Eine Seniorin kann einem jungen Menschen zeigen, wie man aus wenig viel macht, wie Krisen bewältigt werden oder warum Geduld manchmal der bessere Weg ist. Ein junger Mensch kann einer Seniorin digitale Werkzeuge erklären, neue Perspektiven eröffnen oder geduldig und anschaulich zeigen, wie sich moderne Technologien sinnvoll nutzen lassen.

 

Aus einem belanglosen Nebeneinander wird so ein wertvolles und sinnvolles Miteinander.

 

Doch dafür braucht es eine Fähigkeit, die heute oft zu kurz kommt: Wertfreiheit.

 

Was bedeutet das eigentlich?

Wertfreiheit heisst nicht, keine Meinung zu haben. Sie bedeutet vielmehr, einem Menschen zunächst offen zu begegnen, ohne ihn sofort zu bewerten. Sie beginnt mit der Bereitschaft, die Welt für einen Moment durch die Augen des anderen zu betrachten.

Das klingt einfach, ist aber eine tägliche Übung.

 

Wir alle beurteilen Menschen innerhalb weniger Sekunden. Alter, Kleidung, Sprache oder Verhalten lösen automatisch Gedanken aus. Unser Gehirn arbeitet mit Erfahrungen und Schubladen. Das ist menschlich. Entscheidend ist, ob wir diese ersten Eindrücke hinterfragen.

Eine gute Übung ist es, sich bei jeder Begegnung zu fragen:

 

Was weiss ich eigentlich wirklich über diesen Menschen und die Gründe für sein Verhalten?

Oft lautet die ehrliche Antwort: sehr wenig.

Vielleicht wirkt die junge Frau mit Kopfhörern verschlossen. Vielleicht hört sie ja aber gerade einen Podcast über Philosophie.

Vielleicht scheint der ältere Herr langsam und unbeweglich. Vielleicht hat er als Ingenieur Brücken gebaut oder als Bäuerin jahrzehntelang eine Familie versorgt. Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte, die wir nicht kennen.

 

Wertfreiheit bedeutet deshalb auch, neugierig zu bleiben.

Statt Ratschläge zu geben, könnten wir häufiger Fragen stellen.

  • Was beschäftigt Dich gerade?
  • Wie siehst Du dieses Thema?
  • Welche Erfahrungen hast Du gemacht?
  • Was würdest Du an meiner Stelle tun?

 

Solche Fragen schaffen Verbindung.

Ebenso wichtig ist die Bereitschaft, die eigene Meinung gelegentlich zu verändern. Wer immer recht haben möchte, wird selten Neues lernen. Wer hingegen zuhört, entdeckt oft überraschende Sichtweisen.

 

Ich glaube, dass gegenseitiger Respekt nicht mit grossen politischen Programmen beginnt, sondern im Alltag. Am Küchentisch. Beim Spaziergang. An der Bushaltestelle. Im Café. Oder in den Kommentaren unter einem Blogbeitrag.

 

Vielleicht könnten wir uns alle eine einfache Gewohnheit aneignen:

Bevor wir widersprechen, versuchen wir zuerst zu verstehen.

 

Nicht jede Diskussion muss in einem Kompromiss enden. Aber jedes ehrliche Gespräch kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.

 

Mein Wunsch für diesen Blog ist deshalb nicht, dass alle dieselbe Meinung vertreten. Viel schöner wäre es, wenn Menschen verschiedener Generationen hier ihre Erfahrungen teilen, Fragen stellen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

 

Denn die Zukunft gehört weder den Jungen noch den Alten allein.

Sie gehört uns allen.

 

Fragen zum Mitdenken:

  • Wann hast Du zuletzt einem Menschen einer anderen Generation aufmerksam zugehört?
  • Welche Erfahrung eines älteren oder jüngeren Menschen hat Dich überrascht?
  • Was könntest Du diese Woche tun, um einem Menschen ohne Vorurteile zu begegnen?

Vielleicht beginnt gegenseitiges Verständnis genau dort, wo wir den Mut haben, nicht sofort zu urteilen – sondern zuerst zuzuhören.

 

Ich freue mich auf Deine Wortmeldungen über laebesluscht@gmx.ch oder im Kommentarfeld und wünsche Dir einen mit interessanten Begegnungen gefüllten Abend.


29.07.2026 - Kommunikation einst und heute – Zwischen Brieftaube und Künstlicher Intelligenz

 

Manchmal frage ich mich, wann wir eigentlich aufgehört haben, einander wirklich aufmerksam zuzuhören.

 

Als Kind war Kommunikation etwas Kostbares. Ein Brief wurde mit Sorgfalt geschrieben und sehnsüchtig erwartet. Die Zustellung dauerte je nach Distanz mehrere Tage bis mehrere Wochen. Mein Klassenlehrer hat sich gar Monate später für eine Ansichtskarte bedankt, die ich ihm aus unseren Camping-Familienferien in Italien zugschickt hatte.

 

Das Telefon stand an seinem festen Platz im Haus und wurde meist nur benutzt, wenn es wirklich etwas Wichtiges zu besprechen gab. Privatsphäre gab es dabei kaum, da der Apparat meist zentral im Wohnzimmer stand.

 

Besuch kündigte sich oft nicht an – man klopfte an die Tür und wurde mit einem Kaffee und einem Gespräch empfangen. Es gab keinen Zwang oder die Erwartungshaltung, ständig erreichbar zu sein. Wenn jemand da war, war’s gut, wenn nicht – dann schaute man halt beim nächsten Mal vorbei.

 

Fix vereinbarte Termine wurden hingegen zuverlässig eingehalten oder im Verhinderungsfall rechtzeitig mit einer plausiblen Entschuldigung abgesagt. Zum gegenseitigen Anstand gehörte halt auch die Verbindlichkeit.

 

Natürlich war damals nicht alles besser. Informationen waren schwer zugänglich, Missverständnisse konnten lange bestehen bleiben und Nachrichten brauchten eine gewisse Zeit. Doch genau diese Langsamkeit hatte auch ihren Wert. Sie schenkte uns Zeit zum Nachdenken.

 

Heute leben wir in einer völlig anderen Welt.

 

Innerhalb weniger Sekunden erreichen wir Menschen auf der anderen Seite der Erde. Wir verschicken Fotos, Videos und Sprachnachrichten, nehmen an Videokonferenzen teil oder lassen uns von einer künstlichen Intelligenz bei Fragen unterstützen. Noch nie war Kommunikation so einfach und gleichzeitig so vielfältig.

 

Dennoch höre ich immer wieder den Satz: „Ich habe keine Zeit.“

Wie kann das sein?

 

Vielleicht, weil wir zwar schneller kommunizieren, aber auch unendlich viel mehr Informationen verarbeiten müssen. Jeden Tag erreichen uns Nachrichten, E-Mails, Werbeanzeigen, Benachrichtigungen und Beiträge aus sozialen Medien. Unser Gehirn springt von einem Thema zum nächsten, oft ohne zur Ruhe zu kommen.

 

In früheren Jahren gab es Trends ebenfalls. Doch sie verbreiteten sich langsamer. Heute entsteht beinahe täglich ein neuer Hype. Kaum haben wir uns an eine App, eine Mode oder eine Meinung gewöhnt, folgt bereits die nächste. Wer ständig versucht, mit allem Schritt zu halten, läuft Gefahr, den Kontakt zu sich selbst zu verlieren.

 

Ich persönlich denke deshalb nicht, dass wir in erster Linie mehr Zeit brauchen. Mir scheint, wir brauchen mehr Bewusstsein dafür, womit und wofür wir unsere Zeit verbringen möchten.

 

Die moderne Technik ist dabei weder Freund noch Feind. Sie ist ein Werkzeug. Ein Smartphone kann uns verbinden oder ablenken. Künstliche Intelligenz kann unser Denken bereichern oder uns dazu verleiten, das Nachdenken ganz abzugeben. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern wie wir sie einsetzen.

 

Vielleicht dürfen wir uns wieder öfter eine Frage stellen, die unsere Grosseltern ganz selbstverständlich beantwortet hätten: Brauche ich das wirklich?

 

Brauche ich jede Nachricht sofort? Muss ich auf jede Diskussion reagieren? Muss ich jeden Trend mitmachen? Oder darf ich meinen eigenen Rhythmus finden?

 

Entschleunigung bedeutet für mich nicht, die moderne Welt abzulehnen. Ich nutze selbst gerne digitale Hilfsmittel. Sie erleichtern vieles und eröffnen neue Möglichkeiten. Aber ich möchte auch weiterhin bestimmen, wann sie mein Leben bereichern – und wann ich sie bewusst zur Seite lege.

 

Ein Spaziergang ohne Handy. Ein Buch statt endlosem Scrollen. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Ein Nachmittag im Garten oder im Wald. Solche Momente schenken oft mehr Ruhe als viele Stunden vor einem Bildschirm.

 

Ebenso wichtig ist es, den Mut zu haben, den eigenen Weg zu gehen. Nicht jeder Trend passt zu jedem Menschen. Was für andere richtig ist, muss nicht automatisch auch für mich stimmen. Die beste Entscheidung entsteht selten aus dem Wunsch, dazuzugehören, sondern aus der Frage: Was entspricht meinen Werten und meinem Leben?

 

Unsere Grosseltern konnten uns nicht alles für die Zukunft mitgeben. Dafür hat sich die Welt zu stark verändert. Aber sie haben uns etwas hinterlassen, das zeitlos geblieben ist: Geduld, Besonnenheit, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, mit einfachen Mitteln dankbar und glücklich zu sein.

 

Unsere Zeit schenkt uns wiederum Wissen, Vernetzung und technische Möglichkeiten, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.

 

Vielleicht liegt die Kunst nicht darin, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu wählen. Vielleicht liegt sie darin, das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden: die Gelassenheit von damals mit den Chancen von heute.

 

Kommunikation beginnt nämlich nicht mit dem nächsten Klick. Sie beginnt dort, wo wir bereit sind zuzuhören – anderen Menschen, aber auch uns selbst.

 

Fragen zum Mitdenken:

  • Wann hast Du zuletzt ein langes Gespräch ohne Ablenkung geführt?
  • Welche Gewohnheit aus früheren Zeiten würdest Du gerne wieder in Deinen Alltag integrieren?
  • Und welche moderne Möglichkeit hat Dein Leben wirklich bereichert?

Vielleicht beginnt Entschleunigung genau mit diesen Fragen.




22.07.2026 - Wie können wir das Wissen früherer Generationen wertschätzen und sinnvoll mit den Möglichkeiten von heute verbinden? 


Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat sich unser Leben so rasant verändert wie in den letzten siebzig Jahren. Meine Grosseltern lebten in einer Welt ohne Internet, Computer oder Smartphones. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, kannten sie nicht. Gleichzeitig verfügten sie über Fähigkeiten, die heute vielerorts verloren gegangen sind.

 

Meine Grossmütter wussten genau, wie Himbeeren gewinnbringend angebaut werden und wann Holunderblüten geerntet werden müssen, wie Gemüse für den Winter haltbar gemacht wird oder welche Kräuter bei kleinen Beschwerden hilfreich sein können. Meine Grossväter reparierten Werkzeuge, bauten Dinge aus Holz und Naturmaterialien und wussten, wie man mit wenigen Mitteln viel erreichen konnte. Was kaputtging, wurde nicht ersetzt, sondern instand gesetzt. Sparsamkeit war keine Tugend – sie war selbstverständlich.

 

Heute leben wir in einer völlig anderen Welt. Mit wenigen Klicks finden wir Informationen aus aller Welt. Künstliche Intelligenz beantwortet Fragen in Sekundenschnelle, hilft beim Schreiben, Übersetzen oder Planen und eröffnet Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Medizin und Technik haben enorme Fortschritte gemacht, und viele Arbeiten sind deutlich einfacher, sprich weniger schweisstreibend geworden.

 

Doch bei aller Begeisterung für das Neue lohnt sich ein Blick zurück. Nicht, weil früher alles besser war, sondern weil sich manches bewährt hat und auch heute noch wertvoll sein kann.

Frühere Generationen mussten kreativ sein. Sie lernten, Probleme mit dem zu lösen, was vorhanden war. Sie beobachteten die Natur, teilten ihr Wissen innerhalb der Familie weiter und entwickelten Fähigkeiten, die auf Erfahrung beruhten. Dieses Wissen ist ein Schatz – vorausgesetzt, wir betrachten es nicht als nostalgische Erinnerung, sondern als Inspiration.

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass wir auf moderne Errungenschaften verzichten sollten. Im Gegenteil. Die grösste Chance liegt darin, altes Wissen mit neuen Möglichkeiten zu verbinden.

Nehmen wir als Beispiel die Kräuterkunde. Unsere Grosseltern wussten aus Erfahrung, welche Pflanzen traditionell verwendet werden. Heute können wir zusätzlich wissenschaftliche Studien lesen, verschiedene Quellen vergleichen und mit Hilfe moderner Technologien herausfinden, was tatsächlich untersucht wurde und wo Vorsicht geboten ist. Tradition und Wissenschaft müssen keine Gegensätze sein – sie können sich ergänzen.

 

Wie schon Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim aus Einsiedeln, besser bekannt als Paracelsus meinte: «Die Dosis macht das Gift».

 

Dasselbe gilt für den Alltag. Früher wurden Lebensmittel saisonal eingekauft und kaum etwas verschwendet. Heute können Apps helfen, Mahlzeiten zu planen, Lebensmittel länger sinnvoll zu nutzen oder regionale Produzenten zu finden. Moderne Technik unterstützt dabei, alte Werte wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung neu zu leben.

 

Auch künstliche Intelligenz kann dabei eine wertvolle Hilfe sein. Sie ersetzt weder unseren Verstand noch unsere Erfahrung. Aber sie kann Informationen strukturieren, Ideen liefern oder Zusammenhänge verständlich erklären. Entscheidend bleibt meiner Meinung nach, dass wir kritisch denken, Quellen prüfen und eigene Entscheidungen treffen.

 

Vielleicht ist genau das die wichtigste Fähigkeit unserer Zeit: nicht alles zu glauben, sondern neugierig zu bleiben und verschiedene Perspektiven miteinander zu verbinden.

 

Ebenso können die Generationen voneinander lernen. Ältere Menschen bringen Lebenserfahrung, Geduld und oft praktische Fähigkeiten mit. Jüngere Menschen wachsen selbstverständlich mit digitalen Werkzeugen auf und finden sich in einer sich ständig wandelnden Welt schnell zurecht. Beides ist wertvoll. Wenn wir bereit sind zuzuhören, entsteht kein Wettbewerb zwischen Jung und Alt, sondern ein gegenseitiger Austausch.

 

Ich wünsche mir, dass wir wieder öfter Fragen stellen. Nicht nur den Suchmaschinen, sondern auch unseren Verwandten und Nachbarn jeden Alters.

  • Welche Erfahrungen haben sie gemacht?
  • Welche Lösungen haben sich bewährt?
  • Welche Ideen bringen junge Menschen mit?

 

Solche Gespräche können Brücken zwischen den verschiedenen Themenbereichen bauen und das gegenseitige Verständnis auf Augenhöhe fördern.

 

Die Zukunft entsteht nicht, indem wir die Vergangenheit vergessen oder die Gegenwart ablehnen. Sie entsteht dort, wo wir das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden.

 

Vielleicht liegt genau darin die grösste Stärke jeder Generation: Sie trägt einen Teil des Puzzles in sich. Erst wenn wir diese Teile zusammenlegen, entsteht ein vollständiges Bild.

 

Frage an Dich:
 Welches Wissen Deiner Eltern oder Grosseltern nutzt Du heute noch – und welche modernen Möglichkeiten haben Dein Leben bereichert?

 

Ich freue mich darauf, Deine Erfahrungen und Gedanken zu lesen, schreibe doch bitte über «Kontakt» oder an laebesluscht@gmx.ch.



15.07.2026 - Was wir von damals in die Zukunft mitnehmen sollten

Szene anno dazumal: Das Telefon, ein garstiger schwarzer Wandapparat mit Wählscheibe läutete schrill durch das ganze Haus.

Mein Urgrossvater trippelte schnaufend in den Eingang des klitzekleinen Häuschen, in welchem meine Grosseltern zusammen mit ihren Eltern und anderen Verwandten mit ihren fünf Töchtern lebten, stellte sich davor, faltete die Hände hinter dem Rücken und sagte mit zittriger  Stimme Richtung Telefonapparat:

"Bitte rufen Sie nicht mehr an. Hier ist nur das alte, blinde Manndli zuhause."

Natürlich hob er den Hörer nicht ab.

Für ihn war das Telefon ein geheimnisvoller Kasten.

Heute spreche ich täglich mit einer künstlichen Intelligenz.

Manchmal frage ich mich, was mein Urgrossvater, der mir unzählige Male eine Geschichte von der «verkehrten Welt»  erzählt hat, die sich so verblüffend mit unserer modernen Welt deckt, wohl dazu gesagt hätte…


Es gibt Momente, in denen ich staunend vor der künstlichen Intelligenz sitze, ihr eine Frage stelle und innerhalb weniger Sekunden eine Antwort erhalte. Dann lehne ich mich zurück und muss schmunzeln. Nicht über die Technik – sondern über den Weg, den unsere Welt in wenigen Jahrzehnten zurückgelegt hat.

 

Denn ich gehöre zu einer Generation, die noch in einer Zeit aufgewachsen ist, in der vieles selbstverständlich war, was heute kaum mehr vorstellbar erscheint. Ich durfte erleben, wie aus einer Welt ohne Computer, Internet und Smartphones Schritt für Schritt unsere digitale Gegenwart entstand.

 

Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich zwei Leben gelebt.

 

Mein erstes spielte sich während der Schulferien zwischen holzbefeuerten Küchenherden, die gleichzeitig Wärme in den Kachelofen in einer kleinen Stube leiteten, Waschkesseln, in welchen die Wäsche mühselig gekocht und in schweisstreibender Arbeit gesäubert wurde und Plumpsklo’s

bei meinen Grosseltern ab, die mit erstaunlich wenig zufrieden waren.

 

Mein zweites führt mich durch eine Welt voller künstlicher Intelligenz, digitaler Möglichkeiten und Informationen, die jederzeit verfügbar sind.

 

Und genau zwischen diesen beiden Welten möchte ich mit diesem Blog eine Brücke schlagen.

Nicht, weil früher alles besser war.

Nicht, weil heute alles schlechter wäre.

Sondern weil beide Welten etwas Wertvolles besitzen, das wir nicht verlieren sollten.

 

Ich erinnere mich noch gut an meinen Urgrossvater. Durch eine Operation war er blind geworden und lebte fortan zusammen mit meiner Urgrossmutter bei meinen Grosseltern. Niemand sprach damals von Rehabilitation, Inklusion, Hilfsmitteln oder gar einer IV-Rente. Er nahm sein Schicksal an, wie es war. Besonders gerne erzählte er immer wieder dieselbe Geschichte von der «verkehrten Welt». Als Kind hörte ich sie geduldig an, obwohl ich sie längst auswendig kannte. Heute weiss ich: Was er sich am meisten wünschte, war nicht Mitleid. Es war Zeit. Ein Mensch, der ihm zuhörte.

 

Eine andere Erinnerung bringt mich bis heute zum Lachen.

Wenn das Telefon schrill durchs Haus klingelte und gerade niemand zu Hause war, stellte sich mein blinder Urgrossvater vor das Telefon und sagte mit ernster Stimme: «Bitte rufen Sie nicht mehr an. Hier ist nur das alte, blinde Manndli zuhause. Das Telefon kann ich leider nicht bedienen.»

Natürlich hob er den Hörer nie ab. Für ihn war das Telefon etwas Geheimnisvolles. Er war überzeugt, der Anrufer könne ihn trotzdem hören.

 

Heute spreche ich mit einer künstlichen Intelligenz. Ich frage sie nach Rezepten, recherchiere Themen, lasse Texte überarbeiten oder neue Ideen entwickeln. Manchmal frage ich mich schmunzelnd, wie mein Urgrossvater wohl auf diese Entwicklung reagiert hätte.

 

Auch meine Urgrossmutter hatte ihre ganz eigene Sicht auf die moderne Welt. Einmal bügelte meine Tante im Bikini direkt vor dem laufenden Fernseher. Empört rief meine Urgrossmutter: «Du unverschämtes Ding! Siehst Du denn nicht, dass der Nachrichtensprecher Dich die ganze Zeit anstarrt?»

Damals musste ich lachen.

Heute frage ich mich, was sie wohl zu sozialen Medien gesagt hätte, in denen sich Millionen Menschen freiwillig filmen und beobachten lassen.

 

Meine Kindheit roch nach Bratapfel im Ofenloch, mit der Sense frischgemähtem Gras und Holunderblüten.

Ich sehe meine Grossmutter noch heute vor mir, wie sie die Wäsche im grossen, mit Holz befeuerten Waschkessel auskochte. Stundenlang wurde gewaschen, gespült, aufgehängt und gebügelt. Obst wurde eingemacht, Gemüse eingelagert und es wurden Vorräte für den Winter angelegt. Im dunklen Kriechkeller unter der Sägerei ruhten Wurzelgemüse in Holzkisten im Sand vergraben und weiter hinten standen Regale voller Gläser mit Birnen, Zwetschgen und vielem mehr. An Wochentagen kreischten die Sägen von früh bis spät und die Maschinen liessen das kleine Sägestöckli immer wieder erbeben und erzittern.

Eines meiner Grosi stellte jeweils im Frühsommer Holunderblütenlimonade her. Nicht selten explodierten im Keller die Bügelflaschen mit einem lauten Knall, weil die Kohlensäure stärker war als das Glas. Das andere Grosi zauberte aus Holunderbeeren den köstlichsten Hustensirup, den wir Kinder heimlich auch ohne Husten naschten.

 

Im Wald sammelten wir Pilze, Beeren und Haselnüsse. Unterhaltung brauchten wir kaum. Wir bauten Hütten, erfanden Spiele, spielten mit leeren Holz-Fadenspulen und Bauklötzen, lasen Bücher oder gruselten uns wohlig während der Vorführung von Franz Hohlers «Totenmügerli» durch meine jungen Tanten. Fernsehen spielte nur eine Nebenrolle.

 

Gebadet wurde einmal pro Woche im grossen Zuber, eine Dusche gab es nicht. Alte Stoffe aus der für uns Kinder hochspannenden Lumpenkammer verwandelte meine Grossmutter in neue Kleider. Wegwerfen war keine Option. Reparieren gehörte zum Alltag.

 

Wenn ich heute sehe, wie schnell Kleidung entsorgt, Lebensmittel weggeworfen oder Dinge ersetzt werden, frage ich mich manchmal, ob wir mit all unserem Fortschritt nicht auch etwas verloren haben.

 

Aber ich möchte diesen Blog nicht dazu nutzen, der Vergangenheit nachzutrauern.

Denn auch unsere Zeit hat Grossartiges hervorgebracht.

 

Noch nie konnten wir so einfach Wissen finden. Noch nie konnten Menschen auf der ganzen Welt miteinander in Kontakt treten. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, voneinander zu lernen.

Gleichzeitig stehen wir vor neuen Herausforderungen. Die Informationsflut wächst täglich. Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt. Gesundheit, Nachhaltigkeit, Tierhaltung oder Medienkompetenz werfen Fragen und Zweifel auf, auf die es selten einfache Antworten gibt.

 

Genau deshalb entsteht dieser Blog.

Ich möchte gemeinsam mit Dir hinschauen.

Nicht belehren.

Nicht urteilen.

Sondern Fragen stellen.

 

  • Wie können wir das Wissen früherer Generationen mit den Möglichkeiten von heute verbinden?
  • Was können junge Menschen von den Älteren lernen – und was können wir Babyboomer von der Generation Z übernehmen?
  • Wie nutzen wir künstliche Intelligenz sinnvoll, ohne unser eigenes Denken aufzugeben?
  • Wie können Naturwissen, Kräuterkunde und moderne Medizin einander ergänzen?
  • Wie verstehen wir unsere Tiere besser?
  • Wie treffen wir gute Entscheidungen in einer Welt voller Informationen?

 

Ich habe auch auf vieles keine Antwort.

Und genau das macht diesen Blog aus.

Er soll kein Ort fertiger Wahrheiten sein.

Er soll ein Ort des gemeinsamen Nachdenkens werden.

Ein Ort, an dem Erfahrungen ebenso willkommen sind wie neue Ideen.

Ein Ort, an dem wir voneinander lernen – unabhängig davon, ob wir achtzehn oder achtzig Jahre alt sind.

 

Vielleicht kennst Du Geschichten aus Deiner Kindheit, die heute kaum noch jemand glaubt. Vielleicht bist Du mit Smartphone und Internet aufgewachsen und kannst Dir ein Leben ohne digitale Welt gar nicht vorstellen. Beides ist wertvoll.

 

Ich lade Dich herzlich ein, Deine Gedanken, Fragen und Erfahrungen mit mir und den anderen Leserinnen und Lesern zu teilen. Vielleicht finden wir nicht immer die perfekte Lösung. Aber wir können gemeinsam nach der besten suchen.

Denn genau darin liegt für mich die Zukunft:

Nicht im Gegeneinander der Generationen.

Sondern im Miteinander.

Nicht in der Sehnsucht nach gestern.

Und auch nicht im blinden Vertrauen auf morgen.

Sondern in der Bereitschaft, das Beste aus beiden Welten zu verbinden.

Herzlich willkommen – ich freue mich, wenn Du ein Teil dieser Reise wirst.




Fördern Sie das Wohlbefinden Ihres Tieres!

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